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SAP S/4HANA Migration Cockpit: Vollständiger Leitfaden

    Ein umfassender technischer Leitfaden zum SAP S/4HANA Migration Cockpit mit Fokus auf Funktionsweise, Anwendungsfälle und praktische Limitierungen.

    Teil 1: Das Migration Cockpit: Funktionsweise und Anwendung

    Was ist das SAP S/4HANA Migration Cockpit?

    Das SAP S/4HANA Migration Cockpit (auch als LTMC oder 'Legacy Transfer Migration Cockpit' bekannt) ist das zentrale Standardwerkzeug von SAP für die einmalige initiale Datenübernahme in ein S/4HANA-System. Es wurde als Nachfolger der klassischen Legacy System Migration Workbench (LSMW) konzipiert, die unter S/4HANA nicht mehr vollständig unterstützt wird. Das Cockpit bietet einen strukturierten, grafischen Rahmen für die Migration von Daten aus beliebigen Quellsystemen – ob SAP ECC, andere SAP-Systeme oder vollständig externe, nicht-SAP-Systeme. Es ist als integrierter Bestandteil von SAP S/4HANA enthalten und erfordert keine zusätzlichen Lizenzen.

    Warum ist das Migration Cockpit wichtig?

    Die Datenmigration ist einer der kritischsten Erfolgsfaktoren bei S/4HANA-Implementierungen. Eine fehlerhafte oder unvollständige Migration kann zu Datenverlust, Geschäftsprozessunterbrechungen und erheblichen Kosten führen. Das Migration Cockpit standardisiert diesen Prozess und reduziert damit das Risiko.
    Vordefinierte Migrationsobjekte: SAP liefert bereits konfigurierte Migrationsobjekte für die häufigsten Datentypen
    Strukturierte Prozesse: Ein klarer, wiederholbarer Prozess von der Planung bis zur Validierung
    Integrierte Validierung: Automatische Konsistenzprüfungen und Fehlerbehandlung
    Audit-Trail: Dokumentation aller Migrationsvorgänge für Compliance-Anforderungen

    Prozessfluss: Wie funktioniert die Migration?

    Der Migrationsprozess gliedert sich in fünf Hauptphasen, die einen strukturierten Ablauf von der Vorbereitung bis zum Abschluss gewährleisten.

    prozessfluss der dtaenoptimierung im SAP migration cockpit

    Phase 1: Vorbereitung und Ansatzwahl

    Der erste Schritt ist die Verbindung zum Quellsystem und die Wahl des Migrationsansatzes. Das Cockpit bietet drei verschiedene Methoden, um Daten bereitzustellen:

    Direct Transfer

    Direkte RFC-Verbindung zum SAP-Quellsystem. Die Daten werden live aus dem Quellsystem extrahiert und in S/4HANA geladen. Dies ist die schnellste Methode für SAP-zu-SAP-Migrationen.

    Staging Table Approach

    Die Daten werden zuerst in dedizierte Staging-Tabellen in der S/4HANA-Datenbank geladen. Von dort aus können sie mit ETL-Tools transformiert und validiert werden, bevor sie in die Produktivtabellen übernommen werden. Dies bietet maximale Flexibilität für komplexe Transformationen.

    File-Based Approach

    Daten werden als Excel-XML- oder CSV-Dateien bereitgestellt und manuell in das Cockpit hochgeladen. Dies ist die einfachste Methode für kleine, einmalige Ladevorgänge.

    Phase 2: Konfiguration und Mapping

    Nach der Ansatzwahl werden die Migrationsobjekte ausgewählt und konfiguriert. Dieses Mapping ist der kritischste Schritt, da fehlerhafte Mappings zu fehlerhaften Daten im Zielsystem führen.

    1. Migrationsobjekte auswählen: Welche Daten sollen migriert werden?
    2. Datenquellen definieren: Wo befinden sich die Daten im Quellsystem?
    3. Feld-Mappings: Wie werden Felder des Quellsystems auf die Felder des Zielsystems abgebildet?
    4. Validierungsregeln: Welche Geschäftsregeln und Konsistenzprüfungen müssen erfüllt sein?

    Phase 3: Simulation und Fehlerbehandlung

    Bevor echte Daten geladen werden, führt das Cockpit eine Simulation durch. Dies ist ein Trockenlauf, bei dem der gesamte Prozess durchlaufen wird, ohne dass Daten tatsächlich in die Produktivtabellen geschrieben werden. Die Simulation zeigt, welche Daten geladen würden, welche Fehler oder Warnungen auftreten würden und wie lange der Prozess dauern würde. Wenn Fehler auftreten, können die Mappings korrigiert und die Simulation erneut durchgeführt werden.

    Phase 4: Produktive Migration

    Nachdem die Simulation erfolgreich war, wird die produktive Migration gestartet. Das Cockpit extrahiert die Daten aus den Quellsystemen oder Staging-Tabellen, transformiert sie gemäß den definierten Mappings, validiert sie gegen die Geschäftsregeln und lädt sie in die Produktivtabellen. Falls während der Migration Fehler auftreten, können diese entweder korrigiert oder ein Rollback durchgeführt werden, um den vorherigen Zustand wiederherzustellen.

    Phase 5: Validierung und Abschluss

    Nach der erfolgreichen Migration werden die geladenen Daten validiert. Dies umfasst Datenzählung, Stichprobenprüfung und Geschäftsprozess-Tests. Nach erfolgreicher Validierung wird das Migrationsprojekt abgeschlossen und dokumentiert.

    Migrationsansätze im Vergleich

    Tabelle mit Übersicht über Lösunsgansätze wenn SAP Migration cockpit nicht verwendet werden kann

    Empfehlung: Der Direct Transfer ist ideal für rein technische SAP-System-Upgrades. Der Staging Table Approach bietet die notwendige Flexibilität für heterogene Landschaften und hohe Datenqualitätsanforderungen.

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    Ist das Migration Cockpit in der S/4HANA-Lizenz enthalten?

    Ja, das Migration Cockpit ist ein integraler Bestandteil von SAP S/4HANA und erfordert keine zusätzlichen Lizenzen oder Kosten.

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    Kann das Cockpit auch für die Migration in die SAP S/4HANA Cloud verwendet werden?

    Ja, für die Migration in die SAP S/4HANA Cloud (Public Edition) ist das Migration Cockpit mit dem Staging-Ansatz das primäre und von SAP empfohlene Werkzeug. Der Direct Transfer ist in der Cloud nicht verfügbar.

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    Wie lange dauert der Migrationsprozess?

    Die Dauer einer Migration hängt stark von der Komplexität Ihrer aktuellen Systemlandschaft ab – etwa von der Anzahl der Nutzer:innen, dem Datenvolumen, bestehenden Integrationen und individuellen Anpassungen. Im Durchschnitt dauert eine einfache Migration 4–6 Wochen. Bei größeren oder komplexeren Umgebungen kann der Prozess jedoch auch mehrere Monate in Anspruch nehmen.

    Wir führen im Vorfeld eine detaillierte Analyse Ihrer Umgebung durch, um einen realistischen Zeitplan zu erstellen – individuell abgestimmt auf Ihre Anforderungen. Während der gesamten Migration legen wir großen Wert auf sorgfältige Planung, strukturierte Umsetzung und umfassende Tests, um einen reibungslosen und effizienten Übergang sicherzustellen.

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    Kann das Cockpit auch für Migrationen aus Non-SAP-Systemen verwendet werden?

    Ja, das Cockpit ist nicht auf SAP-Quellsysteme beschränkt. Es kann auch Daten aus beliebigen anderen Systemen migrieren, solange die Daten in das richtige Format gebracht werden (Staging Tables oder Dateien).

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    Was ist der Unterschied zwischen der Transaktion LTMC und der Fiori-App "Migrate Your Data"?

    Die Transaktion LTMC war der ursprüngliche Einstiegspunkt in das Migration Cockpit. In neueren S/4HANA-Releases (ab 2020) wurde dieser durch die moderne Fiori-App "Migrate Your Data" ersetzt. Die Fiori-App bietet eine modernere Benutzeroberfläche und erweiterte Funktionen, die zugrundeliegende Technologie ist jedoch dieselbe.

    Teil 2: Limitierungen und Kernprobleme

    Das zentrale Problem: Welche Daten können mit dem Standard-Cockpit NICHT migriert werden?

    Eine der häufigsten Herausforderungen in S/4HANA-Migrationsprojekten ist die Annahme, das Migration Cockpit sei eine universelle Lösung für alle Datenobjekte. In der Praxis existieren jedoch klare Grenzen, die bei der Projektplanung berücksichtigt werden müssen.

    Wichtig: Die Limitierungen sind nicht Mängel des Tools, sondern reflektieren seine Auslegung als spezialisiertes Werkzeug für Standardmigrationen.

    Technische Limitierungen

    Datenvolumen und Performance-Grenzen

    Das Cockpit konsumiert maximal 80 Prozent der verfügbaren Batch-Jobs des Systems. Bei hochvolumigen Migrationen (mehrere hundert Millionen Datensätze) entstehen Performance-Engpässe, insbesondere wenn das System gleichzeitig für andere Batch-Prozesse belastet wird.

    Fehlende oder unvollständige Migrationsobjekte

    Das Cockpit wird mit einer vordefinierten Bibliothek von Migrationsobjekten ausgeliefert. Diese deckt die häufigsten Szenarien ab, lässt aber Lücken für spezialisierte Anwendungsfälle wie Z-Objekte, Branchenlösungen und Erweiterungen von Standardobjekten.

    Limitierungen bei der Datenbereinigung

    Das Cockpit verfügt nur über grundlegende Validierungsmechanismen. Es bietet keine umfassenden Möglichkeiten zur automatischen Datenbereinigung, komplexen Transformationslogik oder Fuzzy Matching.

    Abhängigkeiten und Sequenzierung

    Das Cockpit verwaltet Abhängigkeiten zwischen Migrationsobjekten, kann aber komplexe, systemübergreifende Abhängigkeiten nicht automatisch auflösen.

    Lösungsansätze für nicht-migrierbare Objekte

    Für die Herausforderungen existieren verschiedene technische Lösungsansätze:

    Erstellung benutzerdefinierter Migrationsobjekte (LTMOM)

    Der Migration Object Modeler ist ein Werkzeug innerhalb des S/4HANA-Systems, um eigene Migrationsobjekte zu erstellen.

    Nutzung von ETL-Werkzeugen

    Für Szenarien, die tiefgreifende Datentransformation erfordern, ist die Kombination mit ETL-Tools wie SAP Data Services die Methode der Wahl.

    Entwicklung von ABAP-basierten Ladelogiken

    Dedizierte ABAP-Programme mit BAPIs oder Funktionsbausteinen ermöglichen hochpräzise Datenverbuchung.

    Manuelle Migration

    Für hochkritische, aber überschaubare Datenmengen ist eine kontrollierte manuelle Migration oft der sicherste Weg.

    Skyscrapers

    Steht bei Ihnen eine Datenmigration mit dem Migration Cockpit an?