Das Ende von SAP ECC ist kein neues Thema. Trotzdem wird es für viele Unternehmen jetzt konkret. SAP stellt für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 Mainstream Maintenance bis Ende 2027 bereit. Danach gibt es optional Extended Maintenance bis Ende 2030.
Für Unternehmen, die noch auf SAP ECC arbeiten, bedeutet das: Die Zeit für strategische Grundsatzdiskussionen wird kürzer. 2026 ist nicht mehr der Moment, um das Thema nur grob auf die Agenda zu setzen. Es ist der Moment, um belastbare Entscheidungen zu treffen.
Welche Zielarchitektur ist realistisch? Welche Migrationsstrategie passt zum Unternehmen? Wie viel Custom Code muss angepasst werden? Welche Prozesse sollen übernommen, harmonisiert oder neu gedacht werden? Und wie lässt sich der laufende Betrieb während der Transformation stabil halten?
Genau diese Fragen entscheiden darüber, ob der Wechsel zu SAP S/4HANA planbar bleibt oder zum reaktiven Großprojekt wird.
Viele Unternehmen unterschätzen, wie viele Vorarbeiten vor einer S/4HANA-Migration notwendig sind. Die eigentliche technische Conversion ist nur ein Teil des Gesamtprojekts. Vorher müssen Systeme analysiert, Abhängigkeiten bewertet, Daten geprüft, Eigenentwicklungen untersucht und Zielprozesse definiert werden.
Dazu kommt: Je näher das Wartungsende rückt, desto stärker steigt der Druck auf interne IT-Teams, Fachbereiche und externe Beratungskapazitäten. Wer zu spät startet, hat weniger Spielraum bei Zeitplan, Budget, Ressourcen und Migrationsansatz.
Eine S/4HANA-Transformation braucht deshalb nicht nur technische Umsetzung. Sie braucht eine klare Roadmap.
Unternehmen, die noch SAP ECC nutzen, stehen grundsätzlich vor mehreren Optionen. Welche davon sinnvoll ist, hängt von der Systemlandschaft, dem Reifegrad der Prozesse, der Datenqualität, dem Custom Code und der strategischen Zielsetzung ab.
Beim Brownfield-Ansatz wird das bestehende ECC-System technisch nach SAP S/4HANA überführt. Dieser Weg kann sinnvoll sein, wenn Prozesse grundsätzlich stabil sind und das Unternehmen möglichst viel bestehende Struktur erhalten möchte.
Der Vorteil: Unternehmen müssen nicht bei null beginnen. Der Nachteil: Bestehende Komplexität, historisch gewachsene Prozesse und technischer Ballast können mitgenommen werden, wenn sie nicht vorher sauber bewertet werden.
Beim Greenfield-Ansatz wird SAP S/4HANA neu implementiert. Das bietet die Chance, Prozesse stärker am Standard auszurichten und alte Komplexität bewusst hinter sich zu lassen.
Der Vorteil: Mehr Raum für Standardisierung und Modernisierung. Der Nachteil: Der organisatorische Aufwand ist höher, weil Prozesse, Daten und Strukturen neu aufgesetzt oder stark verändert werden.
Selective Data Transition liegt zwischen Brownfield und Greenfield. Unternehmen übernehmen ausgewählte Daten, Prozesse oder Organisationseinheiten und können dadurch gezielter steuern, was erhalten bleibt und was neu aufgebaut wird.
Dieser Ansatz ist besonders interessant für Unternehmen mit komplexen Systemlandschaften, internationalen Strukturen oder dem Wunsch, nicht die gesamte Historie in das neue System zu übertragen.
Ein besonders wichtiger Punkt ist Custom Code. Viele ECC-Systeme sind über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen. Eigenentwicklungen, Modifikationen, kundenspezifische Reports und individuelle Erweiterungen sind oft tief in die Geschäftsprozesse eingebunden.
Vor einer Migration muss deshalb klar sein:
SAP empfiehlt für die Custom-Code-Migration unter anderem den Einsatz des ABAP Test Cockpit mit SAP-S/4HANA-Checks. Die Ergebnisse zeigen relevante Findings im Zusammenhang mit S/4HANA-Simplifications und verweisen auf SAP Notes zur Lösung.
Doch die Analyse allein löst das Problem noch nicht. Sie zeigt, wo Handlungsbedarf besteht. Die eigentliche Anpassung bleibt ein eigener Arbeitsblock, der früh geplant werden sollte.
Nicht jedes Unternehmen wird 2026 noch eine vollständige S/4HANA-Migration abschließen können. Aber fast jedes Unternehmen kann 2026 die Grundlage für eine kontrollierte Transformation schaffen.
Realistisch und sinnvoll sind vor allem diese Schritte:
Ein Readiness Assessment schafft Transparenz über Systemstatus, Daten, Custom Code, Add-ons, Schnittstellen und technische Voraussetzungen. Es ist die Basis für jede belastbare Roadmap.
Greenfield, Brownfield oder Selective Data Transition sollten nicht aus Bauchgefühl entschieden werden. Die Entscheidung muss zur IT-Landschaft, Prozessrealität und Unternehmensstrategie passen.
Nicht jede Eigenentwicklung muss mitgenommen werden. Ein sauberer Custom-Code-Check hilft, Aufwand zu reduzieren und kritische Anpassungen früh zu identifizieren.
SAP S/4HANA ist nicht nur ein neues ERP-System. Es ist häufig der Einstieg in eine modernere Architektur mit SAP BTP, stärkerer Integration, besserer Datenbasis und neuen Erweiterungsmöglichkeiten.
Viele Unternehmen müssen während der Migration ihre bestehenden SAP-Systeme stabil weiterbetreiben. Deshalb sollten AMS, Basis Services, Monitoring und Projektumsetzung nicht getrennt betrachtet werden.
Ein später Start kann kurzfristig bequem wirken. Langfristig erhöht er jedoch das Risiko. Je weniger Zeit bleibt, desto stärker werden Entscheidungen von Termindruck bestimmt.
Das kann dazu führen, dass Unternehmen:
Ein früher Start bedeutet nicht automatisch, sofort in die vollständige Migration zu gehen. Es bedeutet, Klarheit zu schaffen und die nächsten Schritte fundiert zu planen.
Lupus Consulting unterstützt Unternehmen dabei, den Weg von SAP ECC zu SAP S/4HANA realistisch, strukturiert und umsetzbar zu planen. Dazu gehören strategische Beratung, technische Analyse, Custom Code Adaptation, SAP Development, SAP Basis Services und Application Management Services.
Gerade bei komplexen Systemlandschaften ist es wichtig, nicht nur die Migration selbst zu betrachten. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Zielarchitektur, Code-Anpassung, Betrieb, Prozessverständnis und langfristiger Wartbarkeit.
Mit dem Lupus Consulting CCA Toolset kann zudem ein großer Teil wiederkehrender Custom-Code-Anpassungen effizienter bearbeitet werden. So wird aus einer schwer einschätzbaren manuellen Aufgabe ein strukturierter und besser planbarer Projektbaustein.
Das SAP ECC-Wartungsende ist kein abstrakter Termin mehr. Für viele Unternehmen ist 2026 der Zeitpunkt, um aus offenen Fragen eine konkrete Roadmap zu machen.
Wer jetzt analysiert, priorisiert und entscheidet, gewinnt Handlungsspielraum. Wer wartet, riskiert mehr Druck, höhere Komplexität und weniger Kontrolle.
Der Wechsel zu SAP S/4HANA ist nicht nur eine technische Migration. Er ist eine Chance, die SAP-Landschaft stabiler, moderner und zukunftsfähiger aufzustellen.
Die Anpassung von Custom Code ist eine der kritischsten und am meisten unterschätzten H